Poems of Goethe and Lorelei by Heine

Vocals & Artwork: Nordi, Arrangement: Astat
The Poems of Johann Wolfgang von Goethe and Christian Johann Heinrich Heine
An Charlotte Von Stein : Goethe
To Charlotte Von Stein
Warum gabst du uns die tiefen Blicke, Unsre Zukunft ahndungsvoll zu schaun, Unsrer Liebe, unserm Erdenglücke Wähnend selig nimmer hinzutraun? Warum gabst uns, Schicksal, die Gefühle, Uns einander in das Herz zu sehn, Um durch all die seltenen Gewühle Unser wahr Verhältniss auszuspähn?
Ach, so viele tausend Menschen kennen, Dumpf sich treibend, kaum ihr eigen Herz, Schweben zwecklos hin und her und rennen Hoffnungslos in unversehnen Schmerz, Jauchzen wieder, wenn der schnellen Freuden Unerwarte Morgenröthe tagt, Nur uns armen liebevollen Beiden Ist das wechselseitge Glück versagt, Uns zu lieben, ohn uns zu verstehen, In dem Andern sehn, was er nie war, Immer frisch auf Traumglück auszugehen Und zu schwanken auch in Traumgefahr.
Glücklich, den ein leerer Traum beschäftigt, Glücklich, dem die Ahndung eitel wär, Jede Gegenwart und jeder Blick bekäftigt Traum und Ahndung leider uns noch mehr. Sag, was will das Schicksal uns bereiten? Sag, wie band es uns so rein genau? Ach, du warst in abgelebten Zeiten Meine Schwester oder meine Frau.
Kanntest jenen Zug in meinem Wesen, Spähtest, wie die reinste Nerve klingt, Konntest mich mit einem Blicke lesen, Den so schwer ein sterblich Aug durchdringt. Tropftest Mässigung dem heissen Blute, Richtetest den wilden irren Lauf, Und in deinen Engelsarmen ruhte Die zerstörte Brust sich wieder auf, Hieltest zauberleicht ihn angebunden Und vergaukeltest ihm manchen Tag. Welche Seligkeit glich jenen Wonnestunden, Da er dankbar dir zu Füssen lag, Fühlt’ sein Herz an deinem Herze schwellen, Fühlte sich in deinem Auge gut, Alle seine Sinnen sich erhellen Und beruhigen sein brausend Blut!
Fate, why did you grant us this depth Of insightful vision into our future, So that our love, earthly happiness, Is a thing we can trust in happily never? Why did you grant us such intuition, Such power to know each other’s heart, To see, among life’s scattered throng, The true relationship where we are?
Oh, many thousands of us drift dumbly Through life, our hearts scarcely known, Floating here and there, and aimlessly Fleeing unexpected pain, without hope: Rejoicing again, at the unexpected Morning radiance of swift delight: Only we two, love-filled, wretched Souls are denied that mutual light Of loving without knowing one another, Of seeing in each what each never was, Setting out anew towards the Dream Lover, Faltering at phantom Danger’s course.
Happy those an empty dream preoccupies, Happy those whose presentiments prove vain! Our every meeting, every mutual sight Sadly confirms our presentiments, our dream. Tell me, what does Fate intend for us? Say, how it bound us so strictly, purely? Oh, in some far off time you must Have been my wife, been a sister to me.
You knew every feature of my being, Saw the purest tremor of each nerve, With a single glance you could read me, Hard as I am for mortal eye to pierce: You brought calm to my heated blood, Guiding my wild and wandering course, And in your arms, an angel’s arms, I could Rest as my ravaged heart was restored. You bound your lover fast with magic ease, And made many a day pass gloriously. What happiness could compare with these Hours of rapture, thankful at your feet, Feeling his heart flow towards your heart, Feeling himself virtuous in your sight, All his senses brightened by your art, The raging blood in his veins grown quiet?
An Den Mond : Goethe
To The Moon
Füllest wieder Busch und Tal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz;
Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Über mein Geschick.
Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh- und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud’ und Schmerz In der Einsamkeit.
Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd’ ich froh; So verrauschte Scherz und Kuß Und die Treue so.
Ich besaß es doch einmal, was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt!
Rausche, Fluß, das Tal entlang, Ohne Rast und Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu!
Wenn du in der Winternacht Wütend überschwillst Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst.
Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt,
Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.
Hushed, you flood with shining mist Valley, bush and knoll, And I feel you finally Liberate my soul.
Round the regions of my world Goes your easy gaze Kind as a companion’s eye Sizing up my days.
Every echo hefts my heart, -Tears and joy renewed- As I balance bliss and pain In your solitude.
River, river, flow and flow; Pleasure’s passed for me: Every kiss has vanished with Laughs and loyalty.
All I once possessed and lost Is such treasure still. Men would rather bear this pain Than forget that thrill.
River, rise, and never rest, Rushing down the dale; Wash and whisper me a tune As I sing my tale
How in dark December you Rage and overflow, Or arise in gloried Spring Bidding roses grow.
Lucky’s he who leaves the world Free of hate, by choice, Has a friend to laugh with and Lovingly rejoice
In what men have never guessed, Or forgotten quite, Roaming mazes of the breast Wayward in the night.
Aus Pandora : Goethe
From Pandora
Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist, Fliehe mit abgewendetem Blick Wie er, sie schauend, im Tiefsten entflammt ist, Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück.
Frage dich nicht in der Nähe der Süßen: Scheidet sie? scheid ich? Ein grimmiger Schmerz Fasset im Krampf dich, du liegst ihr zu Füßen, und die Verzweiflung zerreißt dir das Herz.
Kannst du dann weinen und siehst sie durch Tränen Fernende Tränen, als wäre sie fern: Bleib! Noch ists möglich! Der Liebe, dem Sehnen Neigt sich der Nacht unbeweglichster Stern.
Fasse sie wieder! Empfindet selbander Euer Besitzen und euren Verlust! Schlägt nicht ein Wetterstrahl euch auseinander, Inniger dränget sich Brust nur an Brust.
Wer von der Schönen zu scheiden verdammt ist, Fliehe mit abgewendetem Blick Wie er, sie schauend, im Tiefsten entflammt ist, Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück.
He who is doomed to part from the beautiful one, Let him flee with averted gaze. For as she inflamed him in his deepest soul when he looked upon her, She draws—ah! she tears him back forever.
Do not ask yourself when near the sweet one: Is she leaving? Am I leaving? A fierce pain Grips you in a spasm, you lie at her feet, And despair tears your heart apart.
If you then can weep and see her through tears, Vanishing tears, as if she were far away: Stay! It is still possible! To love, to longing, The night’s most motionless star inclines.
Grasp her again! Feel together Your possession and your loss! If a lightning bolt does not strike you asunder, More closely still will breast press to breast.
He who is doomed to part from the fair one, Let him flee with averted gaze, For as he gazes upon her, inflamed to the core, She draws him, alas! she pulls him back forever.
Loreley : Heine
Lorelei
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Märchen ans alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar, Ihr goldnes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme, Und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei. Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Er schaut nur hinauf in die Höh’. Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen Die Lorelei getan.
I know not if there is a reason Why I am so sad at heart. A legend of bygone ages Haunts me and will not depart. The air is cool under nightfall. The calm Rhine courses its way. The peak of the mountain is sparkling With evening’s final ray. The fairest maiden is sitting So marvellous up there, Her golden jewels are shining, She combs her golden hair. With a golden comb she combs it And sings a song as well Whose melody binds a wondrous And overpowering spell. In his little boat, the boatman Is seized with a savage woe, He’d rather look up at the mountain Than down at the rocks below. I think that the waves will devour The boatman and boat as one; And this by her song’s sheer power Fair Lorelei has done.
Nähe des Geliebten : Goethe
Nearness Of The Beloved
Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes Flimmer In Quellen malt.
Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt; In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen Stege Der Wandrer bebt.
Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen Die Welle steigt. Im stillen Haine geh ich oft zu lauschen, Wenn alles schweigt.
Ich bin bei dir, du seist auch noch so ferne. Du bist mir nah! Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne. O wärst du da!
I think of you when sunlight on the ocean Glimmers at noon; I think of you when shimmers in the river Mirror the moon.
I see you in the rise of dust that covers The distant ridge, In each deep midnight where the wanderer quivers On the high bridge,
I hear you in the low and muffled rustle Of rolling seas. I often go to quiet groves and listen To things at peace.
I am with you. However far you are, I know you’re near! Oh what I’d give, as sun gives way to star, To have you here.
Vermächtnis : Goethe
Bequest
Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen! Das Ew’ge regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: denn Gesetze Bewahren die lebend’gen Schätze, Aus welchen sich das All geschmückt.
Das Wahre war schon längst gefunden, Hat edle Geisterschaft verbunden; Das alte Wahre, faß’ es an! Verdank’ es, Erdensohn, dem Weisen, Der ihr, die Sonne zu umkreisen, Und dem Geschwister wies die Bahn.
Sofort nun wende dich nach innen, Das Zentrum findest du dadrinnen, Woran kein Edler zweifeln mag. Wirst keine Regel da vermissen: Denn das selbständige Gewissen Ist Sonne deinem Sittentag.
Den Sinnen hast du dann zu trauen, Kein Falsches lassen sie dich schauen, Wenn dein Verstand dich wach erhält. Mit frischem Blick bemerke freudig, Und wandle sicher wie geschmeidig Durch Auen reichbegabter Welt.
Genieße mäßig Füll und Segen, Vernunft sei überall zugegen, Wo Leben sich des Lebens freut. Dann ist Vergangenheit beständig, Das Künftige voraus lebendig, Der Augenblick ist Ewigkeit.
Und war es endlich dir gelungen, Und bist du vom Gefühl durchdrungen: Was fruchtbar ist, allein ist wahr; Du prüfst das allgemeine Walten, Es wird nach seiner Weise schalten, Geselle dich zur kleinsten Schar.
Und wie von alters her im stillen Ein Liebewerk nach eignem Willen Der Philosoph, der Dichter schuf, So wirst du schönste Gunst erzielen: Denn edlen Seelen vorzufühlen Ist wünschenswertester Beruf.
No being into naught can fall, The eternal liveth in them all; In being hold thyself with joy. Being is eternal; for laws Preserve the living treasures, With which the universe is decked.
The Truth was found long ago, A noble company it bound; Hold fast the ancient Truth! Thank, O child of earth, the Wise Who the sun’s path showed to us, And the planets’ wandering ways.
Turn then thy soul within, There the centre thou shalt find; No noble spirit can it doubt. No rule there shall be missing, For the independent conscience Shall be the sun of all thy moral day.
Then next, the senses thou must trust; They will not let thee see falsely, If thy reason keeps thee awake. With a joyful eye observe, And roam securely, teachable, serene, Throughout a world of fruitful lands.
Enjoy with moderation both wealth and blessing; Let reason be present everywhere, Where life enjoys its life. Then is the past quite permanent, The future pre-existent, The moment is eternity.
And if thou finally hast succeeded, And art filled with that feeling: Only what bears fruit is true; Then examine the general rule, It follows its own way, Join then the smallest band.
And as of old, in silence, The poet, the philosopher, Created for themselves a world of their own; So mayest thou too, the finest favour, The highest life, achieve: To be a worthy companion of the best.
Zu Lieblich Ist : Goethe
It Is Too Lovely
Zu lieblich ist’s, ein Wort zu brechen, Zu schwer die wohlerkannte Pflicht, Und leider kann man nichts versprechen, Was unserm Herzen wiederspricht. Du übst die alten Zauberlieder, Du lockst ihn, der kaum ruhig war, Zum Schaukelkahn der süßen Torheit wieder, Erneust, verdoppelt die Gefahr. Was suchst du mir dich zu verstecken! Sey offen, flieh nicht meinen Blick! Früh oder spät müßt’ ich’s entdecken, Und hier hast du dein Wort zurück. Was ich gesollt, hab’ ich vollendet; Durch mich sey dir von nun an nichts verwehrt; Verzeih dem Freund, der sich nun von dir wendet, Und still in sich zurücke kehrt.
It is too sweet to break a promise, Too heavy the duty we well know, And alas, one cannot promise What goes against our hearts. You practise the old enchanted songs, You lure him, who was scarcely at peace, Back to the rocking boat of sweet folly, Renewing, doubling the danger. Why do you seek to hide yourself from me! Be open, do not flee my gaze! Sooner or later I must discover it, And here you have your word back. What I was to do, I have accomplished; Through me, let nothing be denied you from now on; Forgive the friend who now turns away from you, And quietly returns to himself.
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